Dieser Artikel wurde mit KI (Claude) erstellt und am 4. Oktober 2026 gegen Verordnungstext und Kommissions-Leitlinien geprüft und korrigiert.
KI-generierte Produktbilder kennzeichnen: AI Act Pflichten für Online-Shops
Veröffentlicht am 21. März 2026 · Zuletzt aktualisiert: 4. Oktober 2026 · Lesezeit: ca. 15 Minuten
KI-generierte und KI-bearbeitete Produktbilder sind im E-Commerce längst Alltag. Ob du Hintergründe per KI austauschst, Produktfotos mit KI-Tools verbesserst oder komplett synthetische Produktbilder erstellst: Seit dem 2. August 2026 gilt die Transparenzpflicht des EU AI Act. Sie ist aber enger, als viele Ratgeber behaupten: Kennzeichnen musst du ein KI-Produktbild dann, wenn es als Deepfake gilt – also wenn es über das echte Produkt täuschen kann. Ein KI-Hintergrund oder eine Farbkorrektur allein löst die Pflicht nicht aus.
Stand 6. September 2026: Gilt die Fristverschiebung auch hier?
Nein. Die Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744 (in Kraft seit 27. Juli 2026) verschiebt Fristen des AI Act — aber nur für Hochrisiko-KI-Systeme: Anhang III auf den 2. Dezember 2027, Anhang I auf den 2. August 2028. Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 Absatz 1, 3 und 4 – darunter die hier relevante Deepfake-Kennzeichnung – sind davon nicht betroffen und gelten unverändert seit dem 2. August 2026. Die EU-Kommission hat einen generellen Aufschub ausdrücklich abgelehnt.
In diesem Guide bekommst du eine praxisnahe Anleitung zur KI-Kennzeichnung von Produktbildern. Du erfährst, welche Bilder unter die Kennzeichnungspflicht fallen und welche nicht, bekommst konkrete Implementierungsanleitungen für Shopware 6, WooCommerce und Shopify, und lernst, wie du die Anforderungen technisch und organisatorisch effizient umsetzt.
Dieser Artikel richtet sich an Online-Shop-Betreiber, E-Commerce-Manager und Webentwickler, die KI im Bereich Produktfotografie einsetzen und die Anforderungen des AI Act rechtskonform umsetzen wollen.
Die Rechtslage: Art. 50 AI Act und Produktbilder
Maßgeblich ist Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689. Für Produktbilder sind zwei Absätze wichtig – und sie richten sich an verschiedene Beteiligte:
- Art. 50 Abs. 2 – Anbieter: Wer ein KI-System anbietet, das Bilder erzeugt (OpenAI, Midjourney, Adobe, Google …), muss die Ausgaben maschinenlesbar als KI-erzeugt markieren. Das ist nicht deine Pflicht als Händler, solange du die Tools nur nutzt.
- Art. 50 Abs. 4 – Betreiber: Wer ein KI-System nutzt, um einen Deepfake zu erzeugen, muss offenlegen, dass der Inhalt künstlich erzeugt oder manipuliert ist. Das betrifft dich als Shop, der KI-Bilder erstellt.
Deepfake ist nach Art. 3 Nr. 60 ein KI-erzeugter oder -manipulierter Bild-, Ton- oder Videoinhalt, der wirklichen Personen, Gegenständen, Orten oder Ereignissen ähnelt und einer Person fälschlicherweise als echt oder wahrheitsgemäß erscheinen würde. Bei Produktbildern heißt das: Entscheidend ist, ob das Bild über das echte Produkt täuschen kann – über Aussehen, Eigenschaften oder Gebrauch.
Die EU-Kommission hat das in ihren Leitlinien zu Art. 50 (20.07.2026, rechtlich nicht bindend) am Beispiel Produktbild konkretisiert: Ein KI-Bild, das ein Produkt ansprechender oder hochwertiger zeigt als in Wirklichkeit, ist ein Deepfake. Ein echtes Produkt vor einem KI-generierten Hintergrund ist keiner, solange das nicht über das Produkt täuscht; ebenso Farbkorrektur, Freistellen und ästhetische Komposition.
Einen Überblick über weitere Pflichten für Shops (Chatbot, KI-Kompetenz, Produkttexte) gibt der Artikel AI Act für E-Commerce.
Was muss gekennzeichnet werden? Die Abgrenzungstabelle
Die Tabelle folgt der Logik der Kommissions-Leitlinien. Die Grenzfälle sind nicht abschließend geklärt – im Zweifel lohnt die Frage: Würde ein Kunde das Produkt nach diesem Bild anders einschätzen als nach einem echten Foto?
| Art der KI-Nutzung | Beispiel | Kennzeichnen? | Begründung |
|---|---|---|---|
| Komplett KI-generiertes Produktbild | Produkt mit Midjourney erzeugt, nicht fotografiert | Ja, in der Regel | Zeigt ein reales Produkt fotorealistisch, ohne dass es so fotografiert wurde – Täuschung über das Produkt naheliegend |
| Produkt „verschönert“ | Material, Glanz, Proportionen per KI hochwertiger gemacht | Ja | Laut Leitlinien Deepfake: Produkt wirkt besser als in Wirklichkeit |
| KI-Farbvariante | Farbe, die nie fotografiert wurde, per KI erzeugt | Eher ja | Zeigt eine Produktversion als Foto, die so nicht aufgenommen wurde |
| KI-Hintergrund / Lifestyle-Szene | Echtes Produktfoto, Umgebung per KI | Nein, solange das Produkt unverändert ist | Laut Leitlinien kein Deepfake, wenn nichts über das Produkt täuscht |
| KI-Model trägt echtes Produkt | Synthetische Person mit echter Jacke | Grauzone | Nicht abschließend geklärt; Täuschung über Passform oder Größe möglich |
| Freistellen | Produkt per KI auf Weiß gestellt | Nein | Laut Leitlinien keine Kennzeichnungspflicht |
| Farbkorrektur, Rauschentfernung, Upscaling | Technische Bildverbesserung | Nein | Kein neuer Inhalt, keine Täuschung über das Produkt |
Wichtig: Auch wo der AI Act keine Kennzeichnung verlangt, darf ein Produktbild nicht irreführen – das regelt das Wettbewerbsrecht (UWG) unabhängig von KI.
Wie kennzeichnen? Sichtbar – maschinenlesbar macht der Tool-Anbieter
Für dich als Händler zählt die sichtbare Kennzeichnung. Art. 50 Abs. 5 verlangt, dass die Information „klar und eindeutig“ spätestens beim ersten Kontakt mit dem Inhalt erfolgt. Möglichkeiten:
Option 1: Ein Badge oder Label am Bild, etwa „KI-generiert“ oder „KI-bearbeitet“. Am klarsten, weil die Information direkt am betroffenen Bild steht.
Option 2: Ein Hinweis in der Bildunterschrift, etwa „Darstellung mit KI erzeugt“.
Option 3: Ein allgemeiner Hinweis auf der Produktseite. Er ist nur dann ausreichend klar, wenn eindeutig erkennbar ist, welches Bild gemeint ist – als alleinige Lösung daher schwach.
Meine Empfehlung: Option 1 für jedes betroffene Bild, Option 3 höchstens ergänzend.
Maschinenlesbare Markierung (Metadaten, Wasserzeichen, C2PA) ist nach Art. 50 Abs. 2 Aufgabe der Anbieter der Bild-KI. Laut FAQ der Kommission darfst du dich als Betreiber für deine sichtbare Kennzeichnung aber nicht darauf verlassen. Wenn du Metadaten freiwillig erhältst oder ergänzt, schadet das nicht – Pflicht ist es für dich nicht. Ein Schema.org-Feld wie copyrightNotice eignet sich dafür übrigens nicht: Es ist für Urheberrechtshinweise gedacht.
Implementierung in Shopware 6
Shopware 6 bietet über sein flexibles Entity-System und die Storefront-Templates gute Möglichkeiten, die KI-Bildkennzeichnung zu implementieren. Hier die Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Schritt 1: Custom Field für KI-Metadaten erstellen. Gehe in die Shopware-Administration unter Einstellungen, dann System, dann Custom Fields. Erstelle ein neues Custom Field Set mit dem technischen Namen „ai_image_metadata“ und folgenden Feldern:
Feld 1: ai_generated (Typ: Checkbox) Label: "KI-generiertes/bearbeitetes Bild" Feld 2: ai_generation_type (Typ: Select) Optionen: - "fully_generated" => "Komplett KI-generiert" - "background_replaced" => "KI-Hintergrund" - "scene_composition" => "KI-Szenenkomposition" - "model_generated" => "KI-Modell" - "color_variant" => "KI-Farbvariante" Feld 3: ai_tool_used (Typ: Text) Label: "Verwendetes KI-Tool" Feld 4: ai_disclosure_text (Typ: Textarea) Label: "Kennzeichnungstext"
Weise dieses Custom Field Set der Entität „Medien“ zu. Damit kannst du bei jedem hochgeladenen Bild individuell angeben, ob und wie KI eingesetzt wurde.
Schritt 2: Storefront-Template anpassen. Um das KI-Badge auf Produktbildern anzuzeigen, musst du das Template für die Produktbildgalerie erweitern. Erstelle in deinem Theme oder Plugin eine Template-Erweiterung:
{# Datei: views/storefront/element/cms-element-image-gallery.html.twig #} {% sw_extends '@Storefront/storefront/element/cms-element-image-gallery.html.twig' %} {% block element_image_gallery_inner_item %} {{ parent() }} {% if item.media.customFields.ai_generated %} <div class="ai-badge" style=" position: absolute; bottom: 8px; left: 8px; background: rgba(26,26,46,0.85); color: #e0e0e0; padding: 4px 10px; border-radius: 4px; font-size: 0.75em; z-index: 10; "> KI-{{ item.media.customFields.ai_generation_type == 'fully_generated' ? 'generiert' : 'bearbeitet' }} </div> {% endif %} {% endblock %}
Schritt 3: CSS für das Badge. Füge in deiner Theme-CSS-Datei die notwendigen Stile hinzu, damit das Badge auf allen Bildgrößen korrekt dargestellt wird. Achte besonders auf die responsive Darstellung auf Mobilgeräten, wo Produktbilder oft den gesamten Bildschirm einnehmen.
Schritt 4: Bestehende Bilder nachpflegen. Gehe deine bestehenden Produktbilder durch und setze die Custom Fields für alle KI-generierten oder KI-bearbeiteten Bilder. Bei großen Katalogen kann das aufwendig sein. Nutze die Shopware-Import/Export-Funktion, um die Metadaten in Bulk zu aktualisieren. Exportiere die Medienliste, ergänze die Custom Fields in einer CSV-Datei und importiere sie wieder.
Wenn du einen Chatbot in deinem Shopware-Shop einsetzt, vergiss nicht, auch diesen nach dem AI Act zu kennzeichnen. Unser Guide zur Chatbot-Kennzeichnungspflicht erklärt dir, wie das funktioniert.
Implementierung in WooCommerce
WooCommerce ist als WordPress-Plugin besonders flexibel und bietet über Custom Fields und Action Hooks einfache Möglichkeiten für die KI-Bildkennzeichnung.
Schritt 1: Custom Meta Fields für Produkte. Du kannst über die WordPress-Meta-API zusätzliche Felder für KI-Metadaten an Produkten und Medien anhängen. Der einfachste Weg ist über ein Plugin wie Advanced Custom Fields (ACF) oder direkt per Code in der functions.php deines Child-Themes:
// In functions.php deines Child-Themes // Meta-Box für KI-Bildkennzeichnung in der Mediathek function ai_image_meta_box($form_fields, $post) { $ai_generated = get_post_meta($post->ID, '_ai_generated', true); $ai_type = get_post_meta($post->ID, '_ai_generation_type', true); $form_fields['ai_generated'] = array( 'label' => 'KI-generiert/bearbeitet', 'input' => 'html', 'html' => '<input type="checkbox" name="attachments[' . $post->ID . '][ai_generated]" value="1" ' . checked($ai_generated, '1', false) . ' />', ); $form_fields['ai_generation_type'] = array( 'label' => 'Art der KI-Nutzung', 'input' => 'html', 'html' => '<select name="attachments[' . $post->ID . '][ai_generation_type]"> <option value="">-- Auswählen --</option> <option value="fully_generated" ' . selected($ai_type, 'fully_generated', false) . '>Komplett KI-generiert</option> <option value="background" ' . selected($ai_type, 'background', false) . '>KI-Hintergrund</option> <option value="scene" ' . selected($ai_type, 'scene', false) . '>KI-Szene</option> <option value="model" ' . selected($ai_type, 'model', false) . '>KI-Modell</option> </select>', ); return $form_fields; } add_filter('attachment_fields_to_edit', 'ai_image_meta_box', 10, 2); // Meta-Felder speichern function save_ai_image_meta($post, $attachment) { if (isset($attachment['ai_generated'])) { update_post_meta($post['ID'], '_ai_generated', '1'); } else { delete_post_meta($post['ID'], '_ai_generated'); } if (isset($attachment['ai_generation_type'])) { update_post_meta( $post['ID'], '_ai_generation_type', sanitize_text_field($attachment['ai_generation_type']) ); } return $post; } add_filter('attachment_fields_to_save', 'save_ai_image_meta', 10, 2);
Schritt 2: Badge auf Produktbildern anzeigen. Um das KI-Badge auf den Produktbildern im Frontend anzuzeigen, hakst du dich in den WooCommerce-Produkt-Image-Hook ein:
// KI-Badge auf Produktbildern anzeigen function display_ai_badge_on_product_image() { global $product; $image_id = $product->get_image_id(); if ($image_id && get_post_meta($image_id, '_ai_generated', true)) { $ai_type = get_post_meta($image_id, '_ai_generation_type', true); $label = ($ai_type === 'fully_generated') ? 'KI-generiert' : 'KI-bearbeitet'; echo '<div class="ai-image-badge" style=" position:absolute;bottom:8px;left:8px; background:rgba(26,26,46,0.85);color:#e0e0e0; padding:4px 10px;border-radius:4px; font-size:0.75em;z-index:10; ">' . esc_html($label) . '</div>'; } } add_action( 'woocommerce_product_thumbnails', 'display_ai_badge_on_product_image', 5 );
Schritt 3: Allgemeinen Hinweis auf Produktseiten. Zusätzlich zum individuellen Badge empfiehlt sich ein allgemeiner Hinweis auf der Produktseite, den du über einen WooCommerce-Hook einbindest. Du kannst den Hinweis nach der Produktbeschreibung oder im Tab-Bereich anzeigen.
Wer statt eigenem Code ein Plugin nutzen will, sollte prüfen, ob es das Badge wirklich am einzelnen Bild setzt – ein seitenweiter Hinweis allein ist für täuschende Bilder zu unspezifisch. Die manuelle Lösung gibt dir volle Kontrolle über Design und Platzierung.
Implementierung in Shopify
Shopify bietet über Metafields und Theme-Anpassungen ebenfalls gute Möglichkeiten für die KI-Bildkennzeichnung, auch wenn die Implementierung etwas anders funktioniert als bei Open-Source-Systemen.
Schritt 1: Metafield-Definition erstellen. Gehe in deiner Shopify-Administration zu Einstellungen, dann Custom data, dann Products. Erstelle neue Metafield-Definitionen:
Metafield 1: Name: "KI-generierte Bilder" Namespace und Key: custom.ai_generated_images Typ: True/False Metafield 2: Name: "KI-Generierungsart" Namespace und Key: custom.ai_generation_type Typ: Single line text (mit vordefinierten Werten) Metafield 3: Name: "KI-Kennzeichnungstext" Namespace und Key: custom.ai_disclosure_text Typ: Multi-line text
Schritt 2: Theme-Code anpassen. In deinem Shopify-Theme (z. B. Dawn) musst du die Produktbildkomponente erweitern. Gehe zu Online Store, dann Themes, dann Code bearbeiten und suche die Datei für die Produktbildgalerie. In den meisten Themes ist das eine Liquid-Datei unter „sections“ oder „snippets“:
{%- comment -%} KI-Badge für Produktbilder {%- endcomment -%} {%- if product.metafields.custom.ai_generated_images -%} <div class="ai-badge" style=" position: absolute; bottom: 8px; left: 8px; background: rgba(26,26,46,0.85); color: #e0e0e0; padding: 4px 10px; border-radius: 4px; font-size: 0.75em; z-index: 10; pointer-events: none; "> {{ product.metafields.custom.ai_generation_type | default: 'KI-bearbeitet' }} </div> {%- endif -%}
Schritt 3: App-basierte Lösung. Alternativ gibt es Apps, die Bild-Labels verwalten. Prüfe vor der Installation, ob die App das Label am konkreten Bild setzt und keine Pflichten verspricht, die dich gar nicht treffen (etwa maschinenlesbare Markierung).
Unabhängig davon, welches Shopsystem du nutzt: Die Grundlogik ist immer gleich. Du markierst im Backend, welche Bilder KI-generiert sind, und im Frontend wird basierend auf dieser Information ein Badge oder Hinweistext angezeigt.
Allgemeiner Hinweis auf der Produktseite
Ergänzend zum Badge am Bild kann ein kurzer Hinweis auf der Produktseite oder in einer Transparenzseite erklären, wie dein Shop KI einsetzt („Einige Produktdarstellungen sind KI-generiert und als solche markiert“). Dafür brauchst du kein externes Script: ein Textbaustein im Produkt-Template genügt.
Vorsicht bei „Compliance-Scripts“ von Drittanbietern, die versprechen, per Footer-Einbindung alle AI-Act-Pflichten zu erfüllen: Ein seitenweites Badge ersetzt nicht die Kennzeichnung des konkreten Bildes, und jedes externe Script ist ein zusätzliches Sicherheits- und Datenschutzrisiko.
C2PA: Wer muss maschinenlesbar markieren?
C2PA (Coalition for Content Provenance and Authenticity) ist ein technischer Standard, mit dem Herkunft und Bearbeitung eines Bildes kryptografisch dokumentiert werden („Content Credentials“). Adobe Firefly und andere Tools schreiben solche Daten bereits automatisch in ihre Ausgaben.
Der AI Act schreibt C2PA nicht vor. Erwägungsgrund 133 nennt allgemein Wasserzeichen, Metadaten, kryptografische Herkunftsnachweise und Fingerabdrücke. Und: Die maschinenlesbare Markierung ist Pflicht der Tool-Anbieter (Art. 50 Abs. 2). Für Tools, die schon vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, läuft dafür eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026 (Digital-Omnibus-Verordnung). Ergänzend hat die Kommission am 10.06.2026 einen freiwilligen Verhaltenskodex zur Markierung und Kennzeichnung veröffentlicht.
Für deinen Shop heißt das: C2PA musst du nicht selbst einführen. Praktisch sinnvoll ist, vorhandene Herkunftsdaten bei der Bildbearbeitung nicht versehentlich zu entfernen.
Workflow: KI-Bilder im E-Commerce-Alltag
Die größte Herausforderung bei der KI-Bildkennzeichnung ist nicht die technische Implementierung, sondern die Integration in den täglichen Workflow. Wenn dein Team regelmäßig Produktbilder erstellt und bearbeitet, brauchst du einen klaren Prozess, damit die Kennzeichnung nicht vergessen wird.
Hier ein bewährter Workflow in fünf Schritten, den du für dein Team etablieren kannst:
Schritt 1: Bildquellen-Dokumentation. Jeder Mitarbeiter, der Produktbilder erstellt oder bearbeitet, dokumentiert den KI-Einsatz direkt bei der Erstellung. Das kann ein einfaches Feld in eurem Projektmanagement-Tool sein, eine Spalte in der Bilddatenbank oder ein Feld im PIM-System. Wichtig: Die Dokumentation muss zeitgleich mit der Bilderstellung erfolgen, nicht nachträglich. Nachträglich vergisst man es.
Schritt 2: KI-Metadaten beim Upload setzen. Beim Upload der Bilder in das Shopsystem werden die KI-Metadaten gesetzt, also die Custom Fields in Shopware, die Meta-Felder in WooCommerce oder die Metafields in Shopify. Das sollte ein fester Bestandteil des Upload-Prozesses sein, genauso wie das Setzen von Alt-Texten und Bildtiteln.
Schritt 3: Automatische Badge-Anzeige. Das Frontend zeigt basierend auf den Metadaten automatisch das KI-Badge an. Hier musst du nach der initialen Implementierung nichts mehr tun, das System arbeitet von selbst.
Schritt 4: Qualitätskontrolle. Bei der finalen Freigabe neuer Produktseiten wird geprüft, ob KI-Bilder, die über das Produkt täuschen könnten, gekennzeichnet sind. Das kann ein Punkt in eurer bestehenden QA-Checkliste sein.
Schritt 5: Regelmäßiger Audit. Einmal im Quartal prüfst du stichprobenartig, ob die Kennzeichnung funktioniert und ob es Bilder gibt, die versehentlich nicht gekennzeichnet wurden. Dafür kannst du eine einfache Datenbankabfrage nutzen, die Bilder ohne KI-Metadaten auflistet, und diese manuell überprüfen.
Dieser Workflow kostet pro Bild nur wenige Sekunden Zusatzaufwand und senkt das Risiko, eine Kennzeichnung zu vergessen. Der größte Aufwand entsteht beim initialen Setup und beim Nachpflegen bestehender Bilder. Danach läuft der Prozess quasi von selbst.
KI-Bilder von Lieferanten und Marktplätzen
Viele Produktbilder stammen von Herstellern oder Großhändlern. Wer muss kennzeichnen, wenn der Lieferant das Bild mit KI erzeugt hat?
Ehrlich: Das ist nicht eindeutig geregelt. Art. 50 Abs. 4 verpflichtet den Betreiber des KI-Systems, mit dem der Deepfake erzeugt wurde – das ist zunächst der Lieferant. Ob ein Händler, der ein fertiges Bild nur übernimmt, selbst unter die Pflicht fällt, beantworten Verordnung und Leitlinien nicht ausdrücklich. Unabhängig davon gilt: Ein Bild, das über das Produkt täuscht, ist im Shop wettbewerbsrechtlich riskant – egal, wer es erzeugt hat.
Praktisch sinnvoll:
Lieferantenvereinbarung ergänzen: Der Lieferant teilt mit, wenn Produktbilder ganz oder teilweise mit KI erzeugt oder verändert wurden.
Auffällige Bilder prüfen: Wirkt ein Lieferantenbild zu perfekt oder zeigt Details, die am echten Produkt fehlen, frag nach.
Im Zweifel kennzeichnen: Ein Hinweis „Darstellung kann KI-generiert sein“ an einem fraglichen Bild kostet wenig.
SEO-Auswirkungen der KI-Bildkennzeichnung
Google hat erklärt, KI-generierte Inhalte nicht automatisch abzuwerten; es kommt auf Qualität und Nutzen an. Belastbare Messungen, wie sich ein sichtbares KI-Label auf Rankings oder Conversion auswirkt, sind mir nicht bekannt.
Praktische Empfehlungen: Der Alt-Text beschreibt das Produkt („Rote Outdoor-Jacke Modell XY“), nicht die KI-Herkunft. Die Kennzeichnung gehört in ein Label oder die Bildunterschrift. Und Bilddateien bleiben wie gewohnt optimiert (Größe, Format, Ladezeit).
FAQ: Häufige Fragen zur KI-Kennzeichnung von Produktbildern
Müssen alle KI-bearbeiteten Produktbilder gekennzeichnet werden?
Nein. Kennzeichnen musst du nach dem AI Act nur Deepfakes – also Bilder, die über das echte Produkt täuschen können, etwa weil es hochwertiger aussieht als in Wirklichkeit. Ein echtes Produkt vor KI-Hintergrund, Freistellen, Farbkorrektur oder Upscaling lösen laut Kommissions-Leitlinien keine Pflicht aus.
Wie kennzeichne ich KI-Produktbilder in Shopware 6?
Über ein Custom Field an den Medien (z. B. „KI-generiert“) und eine Template-Erweiterung der Bildgalerie, die bei gesetztem Feld ein Badge am Bild anzeigt. Die Anleitung steht oben im Abschnitt zu Shopware 6. Für bestehende Bilder lassen sich die Felder per Import/Export in Bulk setzen.
Ab wann muss ich KI-Produktbilder im Online-Shop kennzeichnen?
Seit dem 2. August 2026. Die Digital-Omnibus-Verordnung hat daran nichts geändert. Die Übergangsfrist bis 2. Dezember 2026 betrifft nur die maschinenlesbare Markierung durch Tool-Anbieter. Seit Februar 2025 gilt zudem die Pflicht, die KI-Kompetenz deiner Mitarbeiter zu fördern (Art. 4).
Was ist C2PA und muss ich das für Produktbilder nutzen?
C2PA ist ein technischer Standard für kryptografisch gesicherte Herkunftsdaten in Bildern. Du musst ihn nicht nutzen: Die maschinenlesbare Markierung ist Pflicht der Anbieter der Bild-KI (Art. 50 Abs. 2), und der AI Act schreibt keinen bestimmten Standard vor.
Muss ich Produktbilder kennzeichnen, die von meinem Lieferanten mit KI erstellt wurden?
Nicht eindeutig geregelt. Art. 50 Abs. 4 verpflichtet den Betreiber des KI-Systems, das den Deepfake erzeugt hat – zunächst also den Lieferanten. Täuschende Bilder sind aber unabhängig davon wettbewerbsrechtlich riskant. Frag deine Lieferanten nach KI-Einsatz und kennzeichne im Zweifel.
Welche Strafe droht, wenn ich KI-Produktbilder nicht kennzeichne?
Für Verstöße gegen Art. 50 sieht Art. 99 Abs. 4 bis zu 15 Mio. Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes vor, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Für KMU gilt der jeweils niedrigere Betrag (Art. 99 Abs. 6). Die konkreten Sanktionsregeln legen die Mitgliedstaaten fest.
Schadet die KI-Kennzeichnung meinen Conversion-Rates?
Belastbare Messungen dazu sind mir nicht bekannt. Ein dezentes, sauber gestaltetes Label am Bild dürfte weniger stören als ein großer Warnhinweis – testen lässt sich das nur im eigenen Shop.
Fazit und Handlungsempfehlung
Die Kennzeichnungspflicht für KI-Produktbilder gilt seit dem 2. August 2026 – aber nur für Bilder, die über das echte Produkt täuschen können. Die wichtigsten Punkte:
Kennzeichnen musst du KI-Bilder, die ein Produkt besser, anders oder so zeigen, wie es nie fotografiert wurde. Ein KI-Hintergrund, Freistellen oder eine Farbkorrektur lösen die Pflicht nicht aus. Die Kennzeichnung muss sichtbar und eindeutig am Bild erfolgen; maschinenlesbare Markierung ist Sache der Tool-Anbieter.
Technisch reicht ein Feld an den Bildern und ein Badge im Template – in Shopware 6, WooCommerce und Shopify jeweils mit überschaubarem Aufwand. Danach gehört die Prüfung „Täuscht das Bild über das Produkt?“ in den normalen Upload-Workflow.
Wenn du neben Produktbildern auch einen Chatbot einsetzt: Unser Artikel zur Chatbot-Kennzeichnungspflicht hilft dir dabei. Und wenn dein Chatbot personenbezogene Daten verarbeitet, schau dir den Guide zum Thema KI-Assistent und DSGVO-Datenschutz an.
Änderungen: 04.10.2026 – Rechtslage gegen Verordnungstext, Digital-Omnibus (EU) 2026/1744 und Kommissions-Leitlinien C(2026) 5054 geprüft und korrigiert. Die frühere Fassung ordnete die maschinenlesbare Kennzeichnung (Art. 50 Abs. 2) fälschlich den Händlern zu, stufte KI-Hintergründe und -Szenen als kennzeichnungspflichtig ein und empfahl ein Badge-Script, das diese Pflicht erfüllen sollte. Kostenvergleich entfernt (Zahlen nicht belegt), Lieferanten-Abschnitt und Bußgeld-Angabe für KMU korrigiert.
Weitere Artikel zum EU AI Act
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (AI Act), insb. Art. 3 Nr. 60, Art. 50, Art. 99, ErwG 133 – eur-lex.europa.eu
- Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital-Omnibus zur KI), ABl. L vom 24.07.2026 – eur-lex.europa.eu
- EU-Kommission: Leitlinien zu den Transparenzpflichten nach Art. 50, C(2026) 5054 final, 20.07.2026 – digital-strategy.ec.europa.eu
- EU-Kommission: FAQ zu Art. 50 – digital-strategy.ec.europa.eu
- EU-Kommission: Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte (10.06.2026) – digital-strategy.ec.europa.eu
- C2PA – Coalition for Content Provenance and Authenticity – c2pa.org
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