ChatGPT Ads im B2B: Acht Testtage, 116 Euro, kein Lead
Aktualisiert: 27. September 2026 · Lesezeit: ca. 14 Minuten
Aktualisiert und korrigiert am 27.09.2026: Wir haben einen zweiten Test mit Produktanzeigen ergänzt. Dabei hat sich eine zentrale Aussage der ersten Fassung als falsch erwiesen: Dort stand, weniger als die Hälfte der bezahlten Klicks komme auf der Website an. Tatsächlich hat unsere Website-Statistik nur Besucher gezählt, die im Cookie-Banner zugestimmt hatten. Ein Abgleich mit dem Server-Protokoll zeigt: Die bezahlten Klicks kommen an. Was sich geändert hat, steht im Abschnitt „Die Klicks kommen an – gezählt hat sie nur niemand“.
Seit Ende August 2026 lassen sich ChatGPT Ads auch aus Deutschland heraus selbst buchen. Wir haben den Kanal für einen B2B-Dienstleister getestet — also für ein Geschäft, in dem ein einzelner Neukunde über Jahre hinweg wiederkommt und entsprechend viel wert ist. In zwei Tests über insgesamt acht Testtage haben wir rund 116 Euro ausgegeben: zuerst mit einer klassischen Textanzeige, danach mit Produktanzeigen aus dem Katalog des Onlineshops. Das Ergebnis: Die Klicks sind günstiger als bei Google Ads, sie kommen vollständig auf der Website an — aber fast alle Besucher sehen genau eine Seite und sind nach Sekunden wieder weg. Eine Anfrage kam in beiden Tests nicht.
Test 1: Das Setup
Eine Kampagne mit dem Ziel Klicks, Zielregion Deutschland, Tagesbudget 15 Euro, manuelles Höchstgebot von rund 2 Euro. Eine Anzeigengruppe, eine Textanzeige mit Bild, Ziel ist die Startseite. Dazu das Messpixel im Head aller Seiten, einwilligungsgesteuert über die Consent-Lösung der Website, und ein Conversion-Ereignis auf der Danke-Seite des Kontaktformulars.
Eine Besonderheit vorweg: ChatGPT Ads kennen keine Keywords. Stattdessen gibt man Kontexthinweise an — Formulierungen im Stil von „Für Unternehmen, die diese Leistung extern beauftragen möchten“. Der Ads Manager weist ausdrücklich darauf hin, dass dies keine Targeting-Regeln für exakte Übereinstimmungen sind, sondern lediglich bei der Zuordnung helfen. Wer aus der Suchmaschinenwerbung kommt, sollte diesen Unterschied ernst nehmen: Es gibt keine Suchanfrage, an der sich eine Kaufabsicht ablesen lässt.
Getestet haben wir in drei Phasen: zunächst zwei Tage ohne jede Einschränkung, danach einen Testtag, der nur zur Geschäftszeit und nur auf Desktop-Geräten lief. Am vierten Testtag haben wir bei sonst gleichen Einstellungen nur eines geändert: das manuelle Höchstgebot gegen die automatische Gebotsstrategie „Ergebnisse maximieren“ getauscht. Der fünfte Testtag wiederholte den vierten mit exakt denselben Einstellungen.
Test 1: Die Zahlen
| Kennzahl | Tag 1–2 alle Geräte, rund um die Uhr |
Testtag 3 6–17 Uhr, nur Desktop |
Testtag 4 wie Tag 3, automatisches Gebot |
Testtag 5 Wiederholung von Tag 4 |
|---|---|---|---|---|
| Ausgaben | 30,59 € | rund 14 €* | rund 17 €* | rund 21 €* |
| Impressionen | 1.582 | 3.078* | 1.661* | 1.103* |
| Klicks laut Ads Manager | 21 | 8* | 12* | 5* |
| Klickrate | 1,33 % | 0,26 % | 0,72 % | 0,45 % |
| Kosten pro Klick | rund 1,46 € | rund 1,80 €* | 1,45–1,80 €* | rund 3,50 €* |
| Besuche laut Website-Statistik nur Besucher mit Zustimmung im Cookie-Banner |
9 | 3 | 7 | 1 |
| Leads | 0 | 0 | 0 | 0 |
* Vorläufige Tageswerte des Ads Managers, aus den Kampagnensummen abgeleitet. Die Ausgaben stammen aus dem Fortschrittszähler der Guthaben-Aktion, weil der Kampagnenbericht deutlich nachhinkt. Auf die beiden Tage einzeln lassen sie sich nicht sauber aufteilen; zusammen waren es 31,84 Euro. Beim Klickpreis von Tag 4 ergibt der Zähler 1,45 Euro, der Kampagnenbericht 1,80 Euro.
Null Leads bei 46 Klicks ist keine Aussage. Bei den üblichen Formularquoten wären null bis ein Lead auch bei einem völlig gesunden Kanal das erwartbare Ergebnis. Interessanter ist alles, was daneben passiert ist.
Test 1: Was wir nicht erwartet hatten
1. Das Tagesbudget war an den ersten beiden Tagen vor 6 Uhr aufgebraucht
An beiden ungesteuerten Testtagen war das Budget in den Nachtstunden verbraucht. Kein einziger der 21 Klicks fiel in die Zeit, in der in einem Betrieb jemand am Schreibtisch sitzt. Für ein B2B-Angebot ist das der erste Punkt, den man in den Griff bekommen muss — sonst testet man den Kanal zu einer Uhrzeit, zu der die Zielgruppe schläft.
2. Es gibt kein Dayparting — aber einen Umweg, und der funktioniert
Einen Werbezeitplaner im klassischen Sinn gibt es nicht. Weder die Oberfläche noch die API kennen Wochentage oder Tagesstunden; das Kampagnenobjekt hat lediglich Start- und Endzeitpunkt, die Anzeigengruppe gar keine Zeitfelder.
Der Umweg: Start- und Enddatum haben eine Uhrzeitkomponente. Am dritten Testtag haben wir damit ein Fenster von 6 bis 17 Uhr gesetzt — und es hat gegriffen. Die gezählten Besuche lagen um 10:28, 13:27 und 14:41 Uhr, am vierten Testtag zwischen 7:18 und 16:36 Uhr. Der Haken bleibt: Ein wiederkehrender Zeitplan entsteht daraus nicht, und das Enddatum beendet die Kampagne endgültig. Für einen definierten Testtag reicht es, für den Dauerbetrieb bedeutet es tägliche Handarbeit.
3. Desktop liefert aus — die Klickrate fällt aber deutlich
An den ersten beiden Tagen waren alle nachvollziehbaren Anzeigenbesuche mobil. Das hatte uns zu der Vermutung gebracht, eine Einschränkung auf Desktop könnte fast die gesamte Reichweite abschneiden. Das hat sich nicht bestätigt. Nur auf Desktop und nur zur Geschäftszeit kamen in elf Stunden 3.078 Impressionen zusammen — fast doppelt so viele wie an den beiden Tagen davor zusammen.
Auffällig ist dafür die Klickrate: 0,26 Prozent statt 1,33 Prozent. Woran das liegt, können wir nicht sagen, denn zwischen den beiden Phasen haben sich zwei Dinge gleichzeitig geändert — Gerät und Uhrzeit. Ob Desktop-Nutzer seltener klicken oder tagsüber mehr Anzeigen um dieselben Nutzer konkurrieren, trennt dieser Test nicht.
Der vierte Testtag schien einen Hinweis zu geben: Mit automatischem Gebot fielen die Impressionen auf 1.661, die Klickrate stieg auf 0,72 Prozent. Der fünfte Testtag hat diesen Eindruck kassiert. Bei exakt denselben Einstellungen kamen 1.103 Impressionen, 0,45 Prozent Klickrate, und der Klickpreis stieg auf rund 3,50 Euro. Aus zwei identischen Tagen lässt sich also nichts ableiten — bei fünf bis zwölf Klicks pro Tag entscheidet der Zufall.
4. Klicks aus Ländern außerhalb des Targetings
Zielregion war Deutschland. An den ersten beiden Tagen kam ein Klick aus Bulgarien, am dritten Testtag ein Besuch aus dem Iran — und auch im zweiten Test kam einer von 13 geprüften Besuchern aus dem Iran. VPN, Reisende und ungenaue IP-Zuordnung bleiben plausible Erklärungen. Bemerkenswert: Den Iran-Klick aus dem zweiten Test hat OpenAI nicht berechnet (dazu mehr unten).
5. Die Klicks kommen an – gezählt hat sie nur niemand
In der ersten Fassung stand an dieser Stelle: „Weniger als die Hälfte der Klicks kommt auf der Website an.“ Das war falsch. Die Zahlen dahinter stimmen, die Deutung nicht. Über alle fünf Testtage meldete der Ads Manager 46 Klicks, die Statistik der Website zählte 20 Besuche aus der Kampagne — 43 Prozent. Für Google Ads und Microsoft Advertising lag dieselbe Quote auf derselben Website bei 74 Prozent:
| Plattform | Klicks laut Plattform | von der Statistik gezählt | Quote |
|---|---|---|---|
| Google Ads + Microsoft Advertising (28 Tage) | 601 | 444 | 74 % |
| ChatGPT Ads (5 Testtage) | 46 | 20 | 43 % |
Wir hatten daraus geschlossen, dass bezahlte Klicks verloren gehen, und drei Erklärungen offengelassen — darunter die, dass ein Teil der Besucher das Statistik-Skript nicht ausführt. Genau das war es, nur aus einem anderen Grund als vermutet. Die Statistik der Website war an das Cookie-Banner gekoppelt: Sie zählte nur Besucher, die der Statistik zugestimmt hatten. Wer das Banner ignorierte oder die Seite vorher verließ, tauchte nicht auf. Die 43 Prozent sind also keine Ankunftsquote, sondern eine Zustimmungsquote.
Gefunden haben wir das erst beim zweiten Test, als wir parallel das Zugriffsprotokoll des Webservers mitgeschnitten haben. Der erste Anzeigenbesucher im Protokoll lud die Seite vollständig, samt Statistik-Skript — in der Statistik tauchte er trotzdem nicht auf. Ein Blick in das Skript und ein Test mit einem frischen Browser bestätigten die Kopplung. Seitdem zählt die Statistik alle Besucher.
Was vom Befund übrig bleibt, ist trotzdem interessant: Der Unterschied zwischen 43 und 74 Prozent ist statistisch echt. Besucher aus ChatGPT stimmen deutlich seltener zu als Besucher aus Google — sie gehen öfter, ohne das Banner überhaupt anzufassen. Das passt zu dem, was der zweite Test über ihr Verhalten gezeigt hat.
6. ChatGPT schickt auch ohne Anzeige Besucher
Eine Randbeobachtung vom dritten Testtag: Am Nachmittag kam ein Besucher über chatgpt.com auf die Website, der nicht über die Anzeige kam, sondern vermutlich über eine Quellenangabe in einer ChatGPT-Antwort. Er stieg auf einer Produktseite ein und sah acht Seiten an. Ein Einzelfall — aber ein interessanter Kontrast zu den bezahlten Besuchen mit jeweils einer Seite.
Test 2: Produktanzeigen aus dem Shop-Katalog
Für den zweiten Test haben wir zwei Dinge geändert, die OpenAI selbst empfiehlt: Produktanzeigen statt einer Textanzeige und Conversion-Ereignisse, die an die Plattform zurückfließen. Der Katalog des Onlineshops ging als CSV-Datei in den Ads Manager — 398 Artikel, jeweils eine Leistung zu einem bestimmten Gerätemodell mit Festpreis. 297 davon wurden freigegeben, 51 wegen Verstößen gegen die Werberichtlinien abgelehnt; welche Regel sie verletzen, zeigt der Ads Manager nicht. Aus jedem freigegebenen Artikel erzeugt ChatGPT selbst eine Anzeige mit Titel, Bild und Preis.
Die übrigen Einstellungen entsprachen dem letzten Stand von Test 1: Ziel Klicks, Deutschland, nur Desktop, 15 Euro Tagesbudget, automatisches Gebot. Das Messpixel lud nur nach Zustimmung im Cookie-Banner und meldete Kontaktanfragen und Shop-Bestellungen zurück. Die Kampagne lief von Freitag 6 Uhr bis Sonntag 17 Uhr, am Freitagabend kurz unterbrochen.
| Kennzahl | Test 2 (Freitag 6 Uhr bis Sonntag 17 Uhr) |
|---|---|
| Impressionen | 4.143 |
| Klicks laut Ads Manager | 16, davon 12 berechnet |
| Klickrate | 0,39 % |
| Ausgaben | 33,04 €* |
| Kosten je Klick / je berechnetem Klick | 2,07 € / 2,75 € |
| Ab Freitagabend: Klicks laut Ads Manager | 12, davon 8 berechnet |
| Ab Freitagabend: echte Besucher laut Server-Protokoll | 13 |
| Besucher mit mehr als einer Seite | 1 von 13 |
| Anfragen / Bestellungen / Conversions | 0 / 0 / 0 |
* Stand Sonntagabend; die Abrechnung des letzten Tages war noch nicht gebucht.
Was ChatGPT ausgespielt hat
ChatGPT hat den Katalog breit gestreut: 279 der 297 freigegebenen Artikel wurden mindestens einmal gezeigt, fast immer als Karussell mit mehreren Produktkarten nebeneinander. Kein einzelner Artikel stach heraus — die 16 Klicks verteilten sich auf 15 verschiedene Produkte.
Auffällig war, welche Artikel oben lagen: Vier der fünf meistgezeigten Anzeigen betrafen Geräte einer Elektronik-Eigenmarke, die vor allem Privatkunden und Bastler kaufen. Zusammen mit den übrigen Beobachtungen spricht das dafür, dass ChatGPT die Anzeigen eher in Gespräche von Privatleuten einblendet als in die von Einkäufern. Belegen lässt sich das nicht — aber es fügt sich ins Bild: Laut OpenAI sehen ohnehin nur Nutzer der kostenlosen und der günstigen Go-Version Anzeigen — zahlende Nutzer, auch die von Business- und Unternehmenskonten, sehen keine.
Kommen die Klicks an? Der Blick ins Server-Protokoll
Um die offene Frage aus Test 1 zu klären, haben wir ab Freitagabend das Zugriffsprotokoll des Webservers mitgeschnitten und nur Zeilen gespeichert, die zu einem Anzeigenklick gehören. Anders als die Statistik erfasst dieses Protokoll jeden Seitenaufruf, unabhängig von Cookie-Banner und Skripten.
Das Ergebnis ist eindeutig: Für jeden Klick, den OpenAI ab Freitagabend gezählt hat, steht ein echter Besuch im Protokoll. Der Ads Manager zählte in diesem Zeitraum 12 Klicks und berechnete 8 davon — im Protokoll stehen 13 echte Besucher. Die Besucher kamen über private Internetanschlüsse der großen deutschen Anbieter, einer über das Netz einer Universität, einer aus dem Iran. Jeder von ihnen lud die Seite vollständig mit allen Dateien — so verhalten sich echte Browser, keine Bots.
Das Protokoll zeigt aber auch, was danach passierte: 12 der 13 Besucher sahen genau eine Seite. Bei 7 von 12 ging nicht einmal die Zählmeldung der Statistik ab, die kurz nach dem Laden der Seite gesendet wird. Die meisten waren also vermutlich nach wenigen Sekunden wieder weg.
OpenAI berechnet nicht jeden Klick
Einen Bericht über ungültige Klicks bietet der Ads Manager nicht. Indirekt lässt sich trotzdem ablesen, dass gefiltert wird: Der ausgewiesene Durchschnittspreis pro Klick passt über den ganzen Test hinweg rechnerisch nicht zu den angezeigten, sondern zu weniger Klicks — am Ende zu 12 statt 16. In der Produktansicht stehen drei Artikel mit je einem Klick zu 0 Euro, darunter der mit dem Klick aus dem Iran. Nach welchen Regeln OpenAI Klicks aussortiert, ist nicht dokumentiert.
Dazu passt eine zweite Beobachtung: Am Sonntagnachmittag riefen Rechner eines amerikanischen Hosting-Anbieters innerhalb von fünf Minuten fünf Anzeigen-Links ab — mit wechselnder Browser-Kennung, aber ohne eine einzige Bild- oder Stildatei nachzuladen. Das sind Bots. Vier der fünf abgerufenen Artikel haben im Ads Manager keinen einzigen Klick — gezählt und berechnet wurden diese Abrufe also offenbar nicht.
OpenAIs eigener Prüf-Bot erzeugt den meisten Verkehr
Den größten Teil der Zugriffe im Protokoll verursachte kein Besucher, sondern OpenAI selbst: Der Crawler OAI-AdsBot prüft die Zielseiten der Anzeigen. In gut zwei Tagen erzeugte er über 44.000 Protokollzeilen, verteilt auf über hundert Adressen in Microsofts Cloud. Er lädt jede Seite wie ein vollständiger Browser mit allen Dateien. Kosten entstehen dadurch nicht, aber wer Zugriffsstatistiken ohne Bot-Filter auswertet, sieht einen scheinbaren Besucheranstieg. In keinem der Erfahrungsberichte, die wir gelesen haben, wird dieser Bot erwähnt.
Conversions: der Rückfluss funktioniert, lernen kann die Plattform trotzdem nicht
OpenAI empfiehlt, Conversions zusätzlich zum Pixel über eine Server-Schnittstelle zu melden, weil das Pixel allein viele Ereignisse verpasst. In Deutschland ist das heikel: Ohne Einwilligung Daten über Anfragen und Bestellungen an OpenAI zu übertragen, ist datenschutzrechtlich mindestens eine offene Frage. Wir haben es deshalb beim Pixel mit Einwilligung belassen.
Für kleine B2B-Budgets ist das ohnehin nicht der Engpass. Die Optimierung auf Conversions setzt nach Angaben von OpenAI 25 bis 50 Conversions pro Woche voraus. Bei einem Tagesbudget von 15 Euro und einer realistischen Anfragequote im niedrigen einstelligen Prozentbereich ist das unerreichbar. Die Plattform kann also nicht lernen, welche Nutzer anfragen — sie optimiert weiter auf Klicks.
Einordnung
Ein Blick in die bislang veröffentlichten deutschen Erfahrungsberichte relativiert einiges. Die genannten Klickpreise bewegen sich je nach Quelle zwischen 0,20 und 3 Euro, die Klickraten zwischen 0,4 und 2,55 Prozent. Unsere Klickpreise liegen im unteren bis mittleren Bereich. Auch null Conversions nach den ersten Tagen berichten andere Tests.
Übereinstimmend wird empfohlen, den Kanal als Lernbudget zu behandeln und belastbare Aussagen frühestens nach drei Wochen zu erwarten. Für B2B ist die Belegbasis dünn: Der einzige uns bekannte dokumentierte B2B-Test erzielte keinen einzigen qualifizierten Lead und identifizierte in einer kleinen Stichprobe mehrere Bot-Sitzungen. Einen Abgleich der Plattform-Klicks mit dem Server-Protokoll der Website haben wir in keinem Bericht gefunden.
Was uns an der Steuerung fehlt
- Kein wiederkehrender Zeitplan — nur ein einmaliges Fenster über Start- und Enddatum
- Keine Keywords, nur unverbindliche Kontexthinweise
- Ein automatisches Gebot („Ergebnisse maximieren“) gibt es, es optimiert aber auf das Kampagnenziel — bei uns also auf Klicks; die Optimierung auf Anfragen braucht mehr Conversions, als ein kleines B2B-Budget liefern kann
- Kein Bericht über ungültige Klicks — dass gefiltert wird, lässt sich nur indirekt am Durchschnittspreis ablesen
- Abgelehnte Katalogartikel ohne Angabe, gegen welche Regel sie verstoßen
- Ein Höchstgebot von 0,50 Euro ließ sich nicht eintragen; das Mindestgebot liegt darüber
- Benutzerdefinierte Zielgruppen im Europäischen Wirtschaftsraum nicht verfügbar
- Verzögertes Reporting — die Ausgabenspalte lag in beiden Tests zeitweise deutlich unter dem tatsächlichen Verbrauch
Der letzte Punkt ist praktisch relevant: Wer die Kosten im Blick behalten will, schaut in die Abrechnung, nicht in den Kampagnenbericht.
Fazit nach zwei Tests
Am Preis und an der Technik liegt es nicht. Ein Klick kostete im zweiten Test rund 2 Euro, ein berechneter 2,75 Euro; bei Google Ads kostete ein Klick auf derselben Website im Vergleichszeitraum 2,93 Euro. Die bezahlten Klicks kommen vollständig an, und OpenAI berechnet offenbar nicht einmal alle davon.
Es liegt an den Besuchern. In beiden Tests sahen fast alle genau eine Seite, im zweiten Test verließen die meisten sie nach wenigen Sekunden. Sie stimmen seltener dem Cookie-Banner zu als Besucher aus Google, sie kommen über private Anschlüsse, und ChatGPT zeigt die Anzeigen bevorzugt zu Geräten, die Privatleute kaufen. Das Bild ist stimmig: Wer in ChatGPT auf eine Anzeige für eine B2B-Dienstleistung klickt, ist eher neugierig als auf der Suche nach einem Anbieter.
Die Frage nach den Leads ist damit nicht endgültig beantwortet, aber enger geworden. Null Anfragen aus 62 Klicks sind bei einer Anfragequote von zwei Prozent noch in fast drei von zehn Fällen reiner Zufall. Eine Quote wie bei Google Ads auf derselben Website — dort führen rund fünf Prozent der Klicks zu einer Conversion — ist dagegen unwahrscheinlich geworden: Null aus 62 wäre dann nur in etwa vier von hundert Fällen zu erwarten.
Das Messpixel bleibt vorerst aktiv; es lädt weiterhin nur nach Zustimmung im Cookie-Banner.
Wann wir zurückkommen
Drei Dinge würden uns zu einem neuen Test bewegen: ein wiederkehrender Zeitplan, eine Gebotsstrategie, die mit wenigen Conversions auf Anfragen optimieren kann, und die Möglichkeit, Nutzer mit Business-Konten zu erreichen — also genau die Menschen, die in Unternehmen Dienstleister auswählen. Solange ChatGPT Anzeigen vor allem Privatleuten zeigt, bleibt der Kanal für ein B2B-Angebot eine günstige Quelle für Besucher, aber keine für Kunden.
Stand: 27. September 2026, nach dem zweiten Test. Alle Zahlen stammen aus einem realen Konto eines B2B-Dienstleisters.
Varel. Kein Programmierer, keine Agentur, kein Auftrag dahinter. Was hier steht, stammt aus eigener Praxis — nicht aus Fachliteratur übernommen. LinkedIn
Woher diese Zahlen stammen
Für diese Messung liegt keine maschinell abrufbare Ausgabe vor, und das gehört hierhin statt in eine Fußnote.
- Kosten, Klicks, Impressionen und Klickrate stammen aus dem Anzeigenmanager von OpenAI. Er bietet keine Schnittstelle und keinen Export; die Werte wurden im Konto abgelesen, in Test 1 für jeden Testtag einzeln, in Test 2 am Ende. Die Verteilung auf einzelne Artikel stammt aus der Produktansicht des Ads Managers.
- Die Besuchszahlen von Test 1 stammen aus WP Statistics auf der Zielseite. Diese Statistik zählte bis zum 25. September 2026 nur Besucher, die im Cookie-Banner der Statistik zugestimmt hatten — die Werte sind deshalb Zustimmungs-, keine Besucherzahlen.
- Die Besucherzahlen von Test 2 stammen aus dem Zugriffsprotokoll des Webservers, das über die Protokollansicht des Hosters vom 25. September, 17:47 Uhr, bis zum Ende der Kampagne mitgeschnitten wurde. Gespeichert wurden nur Zeilen mit Bezug zu einem Anzeigenklick; die Rohdaten mit IP-Adressen wurden nach der Auswertung gelöscht.
- Der Vergleichswert von 74 Prozent für Google und Microsoft stammt aus denselben Quellen über denselben Zeitraum wie Test 1 und unterliegt derselben Einschränkung.
Damit ist diese Messung schwächer belegt als die übrigen auf dieser Website: Sie beruht auf abgelesenen Zahlen und einem Protokoll, das nicht veröffentlicht werden kann. Wer sie prüfen will, braucht Zugang zu denselben Konten.